Archiv vergangener
Veranstaltungen und
Treffen
Internationale Tagung
"Computer Applications and Quantitative Methods in Archaeology" in
Berlin
Die
AG CAA hat 2007 aus organisatorischen
Gründen weder im Rahmen der Tagungen der
Altertumsverbände,
noch im Rahmen der Tagung der Gesellschaft für Klassifikation
getagt. Statt dessen hat sie die Jahrestagung der internationalen CAA
in Berlin mit organisiert und dort auch ihre Mitgliederversammllung
durchführt. Bei der dort durchgeführten Sprecherwahl wurden
die bisherigen Sprecher (I. Herzog, T. Kerig, A. Posluschny)
bestätigt, während der Jahreshauptversammlung (Annual General
Meeting) der internationalen CAA am 6.4.07 wurde neben der
nordamerikanischen CAA (USA und Kanada) auch die deutsche CAA
endgültig als nationaler Zweig der internationalen CAA
bestätigt.
Die Publikation des von der AG-CAA mit herausgegebenen Tagungsbandes
befindet sich derzeit in Arbeit, mit der Fertigstellung und
Auslieferung wird im Spätsommer/Herbst 2008 gerechnet.
Der Band erscheint unter dem Titel:
A.
Posluschny/K. Lambers/I. Herzog (eds.), Layers of Perception.
Proceedings of the 35th International Conference on Computer
Applications and Quantitative Methods in Archaeology (CAA), Berlin,
April 2–6, 2007. Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte Vol.
10 (Bonn 2008).
beim Habelt-Verlag (Bonn) und kann auch über diesen bezogen werden.
Zusätzlich werden die Beiträge auch als PDF im Internet
verfügbar sein, wir werden den link zu gegebener Zeit hier
veröffentlichen.
GfKl
Tagung 2006 in Berlin
Im Rahmen der 30.
Jahrestagung der
Gesellschaft für Klassifikation
(GfKl)
in Berlin
(8.-10.03.2006) findet auch eine kurze Sitzung unserer AG von 10:55 h
bis 12:55 h mit drei Vorträgen statt:
- Geoff Carver,
Brown space: Ontological dimensions of archaeological documentation:
This paper was conceived as part of an ongoing examination of
archaeological documentation standards and procedures. As part of a
project to construct a CIDOCcompatible formal ontology of
archaeological terminology for use in site-recording databases, this
paper examines the spatial dimensions of the colour brown as defined in
the Munsell Soil Colours Book and as codified in various systems used
by printers and computer graphics programs (i.e. XYZ, RGB, CMYK).
Although conversion between the Munsell colours and these different
systems is possible, the conceptual spaces defined by such conversion
are not necessarily the same. This paper examines the differences
between the different colour models and discusses whether they are
significant.
- Alden
Yépez Noboa,
Titel:
Eine Klassifikation ordnet Gegenstände in
natürlichen Kategorien. In der Archäologie kann eine
Keramikklassifikation dazu dienen, die Regeln des
Gefäßaufbaus zu erkennen. Leider ist die verbale
Beschreibung handgefertigter Keramik häufig wenig
präzise. So kann zum Beispiel der Begriff 'gerundet'
für sehr unterschiedliche Gefäßformen
verwendet werden. Solche Schwierigkeiten treten bei der
bloßen Messung von Gefäßdurchmessern nicht
auf. In meinem Vortrag möchte ich verschiedene
Klassifikationssysteme vorstellen, die die Form von
Ganzgefäßen in ihren Einzelheiten erfassen.
Untersucht wurden sechzig vollständige
Gefäße, die aus der Montania-Region von Baeza,
Provinz Napo in Ecuador stammen. Die hier vorgestellten
Klassifikationssysteme basieren teilweise auf dem Vorschlag von
Karstens (K. KARSTENS,
Allgemeine Systematik der einfachen
Gefäßformen. Münchener
Universitätsschriften, Philosophische Fakultät 12,
Münchener Vorderasiatische Studien XVI [München, Wien
1994]). Ziel war es,
vollständige
Gefäße mit Hilfe von metrischen Kriterien zu
klassifizieren, um eine allgemeingültige Ansprache zu
erhalten. Auf der Grundlage von Karstens' Arbeit erstellte Paap (I.
PAAP, Die Keramik von Khyinga. Ungedr. Dissertation [Bonn 2002])
in ihrer Arbeit über nepalesische Keramik ein Nominalsystem
zur Klassifikation stark zerscherbter Keramik. Unabhängig von
Karstens' Systematik entwickelte Mom von der Universität
Amsterdam das Computerprogramm Secanto (V.
MOM, Manual of
the system Secanto [Section Analysis Tool]).
Dieses
Programm vergleicht die Gefäßformen aufgrund von
gescannten Zeichnungen, wie sie in archäologischen
Fundkatalogen üblicherweise publiziert werden.
Im Rahmen meiner Doktorarbeit möchte ich herausfinden, ob die
Anwendung dieser Methoden auf die zu untersuchenden
Gefäße ähnliche oder gänzlich
unterschiedliche Ergebnisse erbringt. Es stellt sich in diesem
Zusammenhang die Frage, welches die angemessene Methode zur
Beschreibung und Klassifikation von Keramikformen darstellt, um am
ehesten den Regeln der Keramikherstellung früherer
Töpfer gerecht zu werden, und zwar auf eine möglichst
präzise und gleichzeitig verständliche Weise.
Dieses Anliegen hoffe ich im Rahmen meines Vortrages mit den anwesenden
Fachwissenschaftlern diskutieren zu können, auch um so neue
Anregungen für meine Arbeit zu erhalten.
- Jens
Dolata/Hans–Joachim Much/Hans–Georg Bartel,
Uncovering the Internal Structure of the Roman Brick and Tile Making in
Frankfurt-Nied by Cluster Validation:
During the past few years, a complex model of history and
relations of the Roman brick and
tile production in Germany has been developed by the archaeologists.
However, open questions remain concerning the brickyard of
Frankfurt-Nied. From the statistical point of view the set of bricks
and tiles of this location is divided into two clusters (H.-J.
MUCHA/H.-G. BARTEL/J. DOLATA, Model-based Cluster Analysis of Roman
Bricks and Tiles from Worms and Rheinzabern. In: C.Weihs andW. Gaul
[eds.], Classification - The Ubiquitous Challenge [Heidelberg 2005]
317–324). The
cluster analysis of the bricks
and tiles is based on their chemical elements only. What are real
clusters from the statistical point of view? They have to be confirmed
or reproduced in a high degree by resampling techniques (H.-J.
MUCHA, Automatic Validation of Hierarchical Clustering. In: J. Antoch
[ed.], Proceedings in Computational Statistics, COMPSTAT 2004, 16th
Symposium [Heidelberg 2004] 1535–1542).
By
doing so, the two cluster solution can be affirmed here. Moreover,
additional information is delivered about the stability of each cluster
and each single observation. As a result of
these
validations, the archaeologists can now modify and consolidate their
ideas. These final ideas will be presented in this talk.
Verbandstagung Xanten 2006
Die
Vorträge der AG CAA am
6.6.2006 im Rahmen der Verbandstagung des
Süd- und Westdeutschen Altertumsverbandes (6.-10.6.2006) in
Xanten.:
Karsten Lambers:
GIS-basierte
archäologische Analyse der vorspanischen Bodenzeichnungen von
Nasca und Palpa in der Wüste Südperus
Die
Geoglyphen von Nasca
(400 v. Chr. - 800 n. Chr.) sind weltbekannt, aber schwierig zu deuten.
Dies
liegt auch an der heutigen Wahrnehmung der Linien und Figuren: aus der
Luft
scheinen sie ohne jeden Kontext in der menschenleeren Wüste zu
liegen. Zur Zeit
ihrer Entstehung konnten die Bodenzeichnungen jedoch nur vom Boden aus
betrachtet werden und waren Teil eines komplexen kulturellen Umfeldes.
Zur
Untersuchung dieser
Fragen wurden seit 1997 die Geoglyphen von Palpa im nördlichen
Teil des
Nasca-Beckens vom Deutschen Archäologischen Institut und der
ETH
Zürich
photogrammetrisch kartiert und archäologisch dokumentiert.
Dies
geschah im
Rahmen einer umfassenden Untersuchung der vorspanischen Kultur- und
Landschaftsentwicklung im Palpa-Tal. Auf den Geoglyphen wurden erstmals
systematisch Zeugnisse kultureller Aktivitäten dokumentiert:
u.a.
Spuren
wiederholter Begehungen, Niederlegungen von Keramikgefässen
auf
Geoglyphenrändern
und von Feldfrüchten und Spondylusmuscheln auf
Steinplattformen.
Diese Befunde
stehen im Zusammenhang eines Wasser- und Fruchtbarkeitskultes, wie er
aus
andinen Traditionen bekannt ist und in einem zunehmend ariden Umfeld
plausibel
erscheint. Gleichzeitig kam den Geoglyphen eine soziale Bedeutung zu:
bestimmte
Komplexe von Bodenzeichnungen waren offenbar mit gesellschaftlichen
Gruppen
assoziiert, die dort immer wieder Geoglyphen veränderten, neue
anlegten und
Rituale auf ihnen durchführten.
Eine
GIS-basierte
Sichtbarkeitsuntersuchung wirft nun neues Licht auf die soziale
Dimension der
Geoglyphen. Entgegen weit verbreiteter Auffassung wurden diese oft in
gut
einsehbarem Gelände angelegt. Sie konnten den sozialen Gruppen
somit als Bühne
zur Definition ihres sozialen Status dienen und spielten eine wichtige
gesellschaftliche Rolle in der Nasca-Kultur.
Im
Vortrag werden Ziele,
Methoden und Ergebnisse der GIS-basierten Sichtbarkeitsanalysen
vorgestellt.
Dr.
Karsten Lambers
Deutsches
Archaeologisches
Institut (DAI)
Kommission
für Archäologie
Aussereuropäischer Kulturen (KAAK)
Endenicher
Str. 41
53115
Bonn
E-Mail:
lambers.kaak©gmx.de
Claudia Pankau:
Geofaktorenanalysen
und Besiedlungsdynamik auf der östlichen Schwäbischen
Alb
Als
Geofaktorenanalyse wird
die Untersuchung des Verhältnisses archäologischer
Fundstellen zu ausgewählten
Merkmalen des Naturraumes, wie z.B. Bodentyp, Höhenlage,
Hangneigung oder
Niederschlagszone, bezeichnet. Sie dient dazu festzustellen, ob die
Fundstellen
einer bestimmten Periode und/oder Fundstellenart regelhaft in
speziellen
Landschaftspositionen liegen. Ist dies der Fall, lassen sich
Schlussfolgerungen
ziehen in Hinblick auf die wirtschaftlichen Grundlagen und andere
Aspekte der
untersuchten Perioden. In diachroner Sichtweise lassen sich
hinsichtlich des
Naturraumbezugs meistens Unterschiede zwischen den Perioden
herausarbeiten,
welche mit besiedlungsdynamischen Prozessen einhergehen. Die Existenz
von
deutlichen Lageunterschieden zwischen einzelnen Perioden oder
Fundstellenarten
kann zudem als Argumentationshilfe bei der Datierung und der
funktionalen
Ansprache von Fundstellen herangezogen werden, deren
spärliches
Fundmaterial
sonst nur vage Aussagen zulässt.
Am
Beispiel der
neolithischen bis latènezeitlichen Fundstellen auf der
östlichen Schwäbischen
Alb werden einige methodische Fragen (Aussagekraft des
Chi-Quadrat-Tests bei
Naturraumdaten, Gewichtung der Geofaktoren) sowie die Ergebnisse
ausgewählter
Geofaktorenanalysen vorgestellt. Insbesondere die Frage der
Wasserversorgung
ist in der Karstlandschaft der Alb von besonderem Interesse und
offensichtlich
im Laufe der Zeit unterschiedlich gelöst worden. Die sich
daraus
ergebenden
besiedlungsdynamischen Prozesse – wie z.B. die
hallstattzeitliche
Aufsiedlung
der hohen Alb – dürften in einen engen Zusammenhang
mit der
Entwicklung des
Klimas zu stellen sein.
Dr.
des. Claudia Pankau
Dreibrunnenweg
1
70565
Stuttgart
E-Mail:
pankau2©zedat.fu-berlin.de
Ulla Münch:
Archäoprognose
- Ein
Verfahren zur Einschätzung des archäologischen
Potenzials in
Entwicklungsräumen
mit Beispielen aus Brandenburg und Nordrhein-Westfalen im Vergleich
Predictive
Modells werden
bereits seit vielen Jahren international eingesetzt und erlangen
zunehmende
Bedeutung auch für die praktische Bodendenkmalpflege in
Deutschland. Die
bisherigen Kenntnisse bezüglich des im Boden verborgenen
archäologischen
Bestandes stellen sich, besonders im Rahmen von
Großprojekten,
fast immer als
sehr unvollständig heraus und erschweren damit die Planung
archäologischer
Maßnahmen. Archäoprognosekarten liefern
Informationen
über das archäologische
Potenzial eines Raumes und stellen damit ein wertvolles
Planungsinstrument für
die Bodendenkmalpflege dar.
Grundlage
dieser
Kartierungen ist eine umfangreiche archäologische und
landschaftsbezogene
Datensammlung in einem geographischen Informationssystem. Auf Basis
verschiedener statistischer Methoden können
archäologische
Verdachtsflächenkarten
erstellt werden. An Hand von Beispielen aus Nordrhein-Westfalen und dem
Land
Brandenburg erläutert diese Präsentation eine dieser
leistungsfähigen
statistischen Ansätze. Die
Interpretationsmöglichkeiten
für die archäologische
Forschung, mögliche einschränkende Faktoren sowie ihr
Einsatz
in der
Bodendenkmalpflege werden diskutiert.
Dr.
des. Ulla Münch
Landschaftsverband
Rheinland
Rheinisches
Amt für
Bodendenkmalpflege
Ehrenstr.
14-16
52445
Titz
E-Mail:
ulla.muench©lvr.de
Karl Peter Wendt/Andreas
Zimmermann:
Siedlungsgunst und Landschaftsnutzung im diachronen Vergleich
Die
Rechenverfahren der „Site
Catchment” Analyse und des „Predictive
Modelling“
werden von Archäologen
verwendet, um den Mensch-Umweltbezug besser zu verstehen und so auch
den
Einfluss von Umweltfaktoren auf die Standortwahl
prähistorischer
Siedlungen zu
fassen. In beiden Verfahren ist es üblich, mit kleinskaligen
Karten (1:25.000)
und kleinen Umfeldern der Fundstellen zu arbeiten. Die Idee ist, dass
genaue
Karten und die Betrachtung der nächsten Umgebung die besten
Ergebnisse
erbringen.
Im
Rahmen des
archäologischen Rhein-LUCIFS Projektes, das auf den deutschen
Teil
des
Rheineinzugsgebietes zielt, wird ein anderer Analyseansatz genutzt.
Hier werden
Karten herangezogen, die Deutschland in seiner Gesamtheit abdecken. Die
Bodenübersichtskarte von Deutschland (BÜK 1000,
M.:1:1
Million) wird mit der
geographische Verteilung von sog. Siedlungsgebieten verschnitten, die
durch die
„optimale Isolinie“ der Fundstellendichte
dargestellt wird.
Mit aus dem Umfeld
des Chi-Quadrat Tests abgeleiteter Rechentechnik (Erwartungswert usw.)
werden
bevorzugte und gemiedene Bodenkategorien ausgewiesen und für
verschiedene Zeitscheiben
untersucht. Die bisher analysierten Zeithorizonte zeigen, dass mit
diesem
Vorgehen z.T. erstaunlich präzise Aussagen zum Bodenbezug
agrarischer
Gesellschaften möglich sind. Dass dies auch mit einem derart
großskaligen
Ansatz möglich ist, liegt vielleicht an den
archäologischen
Problemen, die Lage
von früheren, landwirtschaftlich genutzten Flächen zu
bestimmen. Zur Messung
der Effizienz“ ist aus dem Analyse Feld des
„Predictive
Modelling“ eine
Darstellungsweise entliehen worden. Diese Effizienz kann z.T. durch
weitere
Variablen, z.B. die heutige jährliche Niederschlagsmenge noch
verbessert
werden, andere Variablen tragen dagegen weniger zur Aussagekraft bei.
Als
Ergebnis werden großräumige Karten erarbeitet, die
regional
differenziert hohes
oder geringes archäologisches Potential ausweisen und eine
gute
Ausgangsbasis
für vergleichende Studien eröffnen.
Dr.
Karl Peter Wendt, Dr.
Andreas Zimmermann
Institut
für Ur- und
Frühgeschichte
Universität
zu Köln
Weyertal
125
50923
Köln
E-Mail:
KP.Wendt©t-online.de,
a.zimmermann©uni-koeln.de
Axel Posluschny: Zwischen
Landschaftsarchäologie und Sozialarchäologie.
Besiedlungsmuster als
Analysegrundlage der früheisenzeitlichen
"Fürstensitze" in
Mitteleuropa
Das
Teil-Projekt „Fürstensitze“ &
Umland widmet
sich innerhalb des DFG-Schwerpunktprogramms "Frühe
Zentralisierungs- und
Urbanisierungsprozesse - Zur Genese und Entwicklung
frühkeltischer
Fürstensitze und ihres territorialen Umlande" (SPP1171) in
einem
landschaftsarchäologischen Ansatz den Siedlungen in
ausgewählten
Projektregionen und ihrem Naturraumbezug. Ausgehend von
zunächst
drei Regionen
(ca. 50 x 50 km im Umfeld um die
„Fürstensitze“
Heuneburg, Marienberg/Würzburg
und Glauberg) wird mit Hilfe Geographischer Informationssysteme (GIS)
der Bezug
der Fundstellen zur umgebenden Landschaft als Natur- und Kulturraum
analysiert.
Dieser Umweltbezug dient einerseits der Differenzierung
unterschiedlicher
Siedlungstypen bezüglich ihrer wirtschaftlichen (und
kulturellen?)
Ausrichtung;
andererseits wird er diachron (Urnenfelder-, Hallstatt- &
Frühlatènezeit)
und regional verglichen und kann so Entwicklungen und regionale
Tendenzen
aufzeigen. Weiter schließen sich Untersuchungen zu
möglichen
Territorien und
Verkehrswegen sowie Detailanalysen spezieller Fragen zu
ausgewählten Problemen
wie z.B. Sichtbarkeitsanalysen zwischen markanten Landschaftspunkten
oder
verschiedenen Fundstellen an. Die Untersuchungen werden mit den
Regionen nahezu
aller im SPP vertretenen Regionalprojekte sowie zusätzlich
weiteren Vergleichsregionen
(Ehrenbürg [Oberfranken], die
„Herrenhof“-Region um
Straubing, Westböhmen mit
der Region um den Vladař und/oder Zentralböhmen mit dem
„Fürstensitz“ Závist)
und ihrem Umfeld fortgesetzt.
Dr.
Axel Posluschny
Römisch-Germanische
Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts
–
DFG-Projekt
“Fürstensitze” & Umland –
Palmengartenstr.
10–12
60325
Frankfurt/M.
E-Mail:
posluschny©rgk.dainst.de
Ulrich Himmelmann: Neues
von PGIS
–
Denkmaldatenbank mit GIS-Anbindung in Rheinland-Pfalz und Hessen
Dr.
Ulrich Himmelmann
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz
Archäologische Denkmalpflege
Kleine Pfaffengasse 10
67346 Speyer
E-Mail: uh©archaeologie-speyer.de
Irmela Herzog:
GIS-Verfahren zur
Auswertung von Verbreitungskarten
Es
gibt verschiedene
Modelle für die Besiedlungsstruktur einer Landschaft, und alle
sind richtig:
Für jedes Modell lässt sich eine Epoche und eine
Landschaft
finden, bei der das
Siedlungsmuster ungefähr diesem Modell entspricht. Eine
wichtige
Aufgabe in der
Archäologie ist die Suche nach den Einflussfaktoren, die das
Siedlungsmuster in
einer prähistorischen Epoche bestimmen. Dazu gehört
die
Rekonstruktion des
Siedlungsverhaltens bis hin zur Schätzung der
Bevölkerungszahl. In den letzten
Jahren werden hierzu meist geographische Informationssysteme (kurz GIS)
eingesetzt.
Anhand
von
Simulationsexperimenten sollen in diesem Vortrag folgende Fragen
untersucht
werden: Mit welcher Genauigkeit lässt sich die
Besiedlungsstruktur
anhand einer
Stichprobe rekonstruieren? Welche Wiederauffindungsrate ist
nötig?
Oder
alternativ: Wie groß muss ein vollständig
untersuchtes
Teilgebiet sein, um die
Siedlungsstruktur des gesamten zugehörigen Naturraums
möglichst genau
beschreiben zu können? Treten bei der Anwendung der
GIS-Verfahren
unerwünschte
Randeffekte auf? Ist es möglich, die Siedlungsstruktur zu
rekonstruieren, wenn
nur ungenaue Datierungen der bekannten Siedlungen vorliegen? Kurz: Wo
sind die
Möglichkeiten und Grenzen von GIS-Verfahren, um
Besiedlungsmuster
vergangener
Epochen zu beschreiben und zu analysieren?
Dipl.
math. Irmela Herzog
Rheinisches
Amt für
Bodendenkmalpflege
Endenicher
Str. 133
53115
Bonn
E-Mail:
irmela.herzog©lvr.de
Stefan Loew: Unordnung
und frühes
Leid
– Strukturen im Chaos eines
spätpaläolithischen
Siedlungsplatzes
Der
Federmesser-Fundplatz
Rüsselsheim 122 wurde 1989/90 in einer Notgrabung von Lutz
Fiedler
(Landesamt
f. Denkmalpflege Hessen) ausgegraben. Der spätglaziale
Siedlungsplatz lädt zu
detaillierten Untersuchungen der Siedlungsstruktur ein: Die Vielfalt
der für
die Artefaktherstellung verwendeten Rohmaterialien lässt
differenzierte
räumliche Vergleiche der Fundverteilungen zu. Dieser Umstand
und
die
Dokumentation des Fundplatzes in Einsechzehntel-Quadraten bieten eine
gute
Ausgangslage für eine Siedlungsanalyse mit Hilfe statistischer
Verfahren.
Die
Siedlungsanalyse
konzentrierte sich auf die Suche nach Behausungsstrukturen.
Ausgangshypothese
der Untersuchung ist die Existenz des sog. "Barriereeffekts", der
bewirkt, dass Zelt- oder Hüttenwände sich in
Artefaktverteilungen durchpausen,
indem sie deren räumliche Verteilung begrenzen. Weiterhin
wurde
davon
ausgegangen, dass bestimmte Fundkategorien aufgrund ihrer spezifischen
Rolle im
Siedlungsalltag den Innenraum einer Behausung eher nachzuzeichnen
vermögen als
andere. Sie müssten sich durch eine außerordentliche
Ähnlichkeit in der
Fundverteilung zu erkennen geben.
Um
Fundverteilungen großer
Ähnlichkeit erkennen zu können, wurden die
Häufigkeiten
der einzelnen
Fundkategorien pro Sechzehntelquadrat in Korrespondenzanalysen
miteinander
verglichen. Die in Korrespondenzanalysen verwendete
Chi-Quadrat-Statistik nimmt
einen gewichteten Vergleich der Mengenverteilungen in den Fundquadraten
vor. Damit wird ein objektiver
Ähnlichkeitsvergleich zwischen Fundkategorien
ermöglicht und
eine Einschränkung
der Originaldaten durch Behausungsmodelle vermieden.
Die
Korrespondenzanalyse
der Variable "Abbauprodukte" zeigte Cluster einander ähnelnder
Fundkategorien in beiden Siedlungsbefunden des Fundplatzes. Die
Fundmengen
dieser Kategorien wurden aufaddiert und mit Hilfe des
Interpolationsverfahrens
Kriging kartiert.
Das
Ergebnis zeigt in beiden Befunden
jeweils eine Artefaktverteilung
rechteckigen Umrisses mit symmetrisch gelegener Öffnung im
Süden. Es könnte
sich um Zeltgrundrisse handeln.
Stefan
Loew
Institut
für Ur- und
Frühgeschichte
Universität
Köln
Weyertal
125
50923
Köln
E-Mail:
sloew©smail.uni-koeln.de
Knut Rassmann:
Formenkundlich-morphologische und chemische Daten
frühbronzezeitlicher
Stabdolche im Vergleich. Die Anwendungen quantitativer Methoden
(Hauptkomponenten-, Korrespondenz- und Clusteranalyse) zur Bewertung
von
Verbindungen zwischen europäischen Stabdolchprovinzen
Die
frühbronzezeitlichen
Stabdolche weisen eine weite geographische Verbreitung auf, die von der
iberischen Halbinsel bis nach Südskandinavien reicht. Damit
eignet
sich diese
Artefaktgruppe ausgezeichnet für die Analyse
überregionaler
Verbindungen am
Beginn der Bronzezeit. Der gute Publikationsstand in den Fundvorlagen
der „Prähistorische
Bronzefunde” bietet hierfür eine exzellente
Voraussetzung.
Jedoch erschweren
die verschiedenen regionalen, typologischen Ordnungen den
weiträumigen
Vergleich. Die Anwendung von quantitativen Methoden (Hauptkomponenten-,
Korrespondenz- und Clusteranalyse) ermöglicht einen
„klassifikationsneutralen“
Zugang für die Untersuchung. Durch die Auswertung von
chemischen
Analysen
erfolgt eine Überprüfung der durch die
morphologischen
Merkmale erarbeiteten
Zusammenhänge.
Dr.
Knut Rassmann
Römisch-Germanische
Kommission
des Deutschen Archäologischen Instituts
Palmengartenstr.
10–12
60325
Frankfurt/M.
E-Mail:
rassmann©rgk.dainst.de
Markus Helfert: Die
Anzahl machts.
Geochemische Referenzgruppen und die Herkunftsbestimmung von
Einzelproben am
Beispiel der Töpfereien von Groß-Gerau
Durch
die 1998 bis 2001
durchgeführten Ausgrabungen und
Baustellenbeobachtungen im Bereich des römischen vicus von
Groß-Gerau
„Auf Esch“ (Hessen) konnten drei
Töpfereien innerhalb
des Siedlungsareals
festgestellt werden. Die drei Werkstätten produzierten in
flavisch-trajanischer
Zeit die herkömmliche Fein- und Grobkeramik und wurden mit dem
Abzug des in
Groß-Gerau stationierten Militärs um 120 n. Chr.
aufgegeben.
Neben
der Auswertung der
Baubefunde galt ein Schwerpunkt der Untersuchungen den geochemischen
Analysen
in Groß-Gerau hergestellter sowie dorthin importierter
Gebrauchskeramik. Mit der Erstellung der
Groß-Gerauer Referenzgruppe konnte das bereits vorhandene
Netz
von
Röntgenfluoreszenzdaten zu Töpfereien im
Rhein-Main-Gebiet
erweitert werden.
Durch die hohe Probenanzahl von Erzeugnissen aus Groß-Gerau
gelangen
detaillierte Aussagen zu technologischen Aspekten, wie etwa zur
Tonschlämmung
und zu den Magerungsrezepturen. So war nachweisbar, dass für
die
Fein- und
Grobkeramik durch Zusatz von Kalk oder Sand zwei unterschiedliche
Rezepturen
Anwendung fanden. Weiterhin war es möglich, die Waren aus den
Töpfereien I und
II geochemisch zu differenzieren. Die Analyseergebnisse zeigen in
Verbindung
mit den Produktionsphasen der Betriebe, dass die Werkstätten
verschiedene
Tonlagerstätten verwendeten. Auf dieser Grundlage
eröffnet
sich für Groß-Gerau
und eventuell auch für andere Fundplätze eine neue
wirtschaftsarchäologische
Dimension. Bei zukünftigen geochemischen Untersuchungen
können durch genaue
Betrachtungen der Referenzgruppen
Einzelproben nicht nur einem Produktionsort, sondern auch einzelnen
Töpfereien
zugeordnet werden. Somit kann mit der Untersuchung von Gebrauchkeramik
nicht
nur ein Beitrag zur Größe des Absatzgebiets
geleistet
werden, sondern auch zur
Absatzstruktur verschiedener Töpfereien inner- und
außerhalb
der produzierenden
Siedlung. Diese Möglichkeiten sollen an mehreren Beispielen
bereits vorhandener
Referenzgruppen aus den römischen Provinzen Ober- und
Untergermanien aufgezeigt
und vorgestellt werden.
Dr.
des. Markus Helfert
Römisch-Germanische
Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts
Palmengartenstr.
10–12
60325
Frankfurt/M.
E-Mail:
helfert©rgk.dainst.de
Burkart Ullrich:
IP-Geoelektrik in
Munigua zur Erkundung der Schlackenhalden am Castillo de Mulva
Die
römische Stadt Munigua,
ortsüblicher Name „Castillo de Mulva“,
liegt in der
Sierra Morena etwa 50 km
nordöstlich von Sevilla. Die archäologischen
Ausgrabungen
begannen im Jahre
1956 durch die Abteilung Madrid des DAI. Aktuelle Forschungen zur
Wirtschaftsgrundlage der Stadt, deren Entwicklung eng mit dem Abbau von
Kupfer-
und Eisenerzen im Umland verknüpft war, nutzen dabei auch
Erkenntnisse, die mit
zerstörungsfreien geophysikalischen Methoden gewonnen werden.
Im
Untergrund
vorhandene Spuren von Bergbau und Metallverarbeitung, wie
Öfen,
Verhüttungsplätze und Schlacken lassen sich meist
sehr gut
anhand der
verschiedenen petrophysikalischen Parameter näher beschreiben.
Erste
Testmessungen mit der Methode der Induzierten Polarisation im Jahr 2003
zeigten
für die Schlackenhalden in Munigua einen starken IP-Effekt,
der
eine eindeutige
Abgrenzung der Halde erlaubt. Daraufhin wurde im Jahr 2005 eine
größere
Messkampagne zur näheren Untersuchung von vier, im
unmittelbaren
Stadtgebiet
liegenden Schlackenhalden durchgeführt. Mit Hilfe von
geoelektrischen
Vertikalschnitten konnte dabei die Mächtigkeit der
Schlackenhalden
zerstörungsfrei
bestimmt werden. An einer Halde wurde das Verfahren der Geoelektrischen
Tomografie
eingesetzt, um 3D-Datensätze geoelektrischer Parameter zu
gewinnen, auf deren Grundlage
die Berechnung des Volumens der Schlackenablagerungen möglich
wurde und damit
eine Abschätzung des in Munigua verhütteten Erzes.
Burkart
Ullrich
Eastern
Atlas – Geophysical
Prospection
Große
Hamburger Str. 17
10115
Berlin
E-Mail:
ullrich©eastern-atlas.com
5. Deutsche
Archäologenkongress, Sitzung
der AG CAA am 4. April 2005 in Frankfurt/Oder.
Dieser Gesamtkongress aller
drei deutschen Altertumsverbände wurde vom 3.-9. April 2005 in
der
Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und dem
Collegium
Polonicum in Slubice durchgeführt
Programm
Seminarraum 2 (Raum 102),
Hörsaalgebäude
Moderator: Axel Posluschny
(Frankfurt/M.)
9.00 SPRECHER/INNEN DER AG: Begrüßung
9.15 BRUNO DEISS,
Frankfurt/M.: Die komplexe Grabenanlage im Bereich der
frühkeltischen
Fürstengräber am Glauberg. Geometrische Struktur und
Ausrichtung auf
astronomische Fixpunkte
10.00 RENATE GERLACH/IRMELA HERZOG: Auswertung von digitalen
Höhendaten im Rheinland
10.30
Kaffeepause
Moderator: Ralf Schwarz
(Halle/Saale)
11.00 GRZEGORZ KIARSZYS, Poznan, JACEK NOWAKOWSKI, Leszno und ANDRZEJ
PRINKE, Poznan: Aerial photographs in digital forms - solution for the
Wielkopolska region
11.30 WLODEK RACZKOWSKIi und LIDKA ZUK, Poznan: On the 'empty' side of
the Odra river: achievements and prospects for aerial survey
12.00
Mittagspause
Moderatorin: Irmela Herzog
(Bonn)
13.30 STEFAN BIERMEIER, München: SingulArch-Pocket in der
Praxis:
Die
computergestützte Dokumentation der Grabung von Herrsching am
Ammersee
14.00 PRZEMYSLAW KRAJEWSKI, Szczecin: Triangulation as a method of
spatial analysis - a case of Wolin Island
14.30 TIM KERIG, Stuttgart: A brief history of seriation with special
regards to German archaeology
15.00
Kaffeepause
Moderator: Tim Kerig
(Stuttgart)
15.30 ALEXANDER THIEME UND RENATE GERLACH, Bonn: Oben und unten auf
einer Fläche bei Lechenich/Ahrem - Wie der Vergleich von
Funden
und
Befunden einer Grabung das Prospektionsergebnis verändern kann
16.00 IRMELA HERZOG, Bonn: Museumsdokumentation im Rheinischen
Landesmuseum Bonn
