Archiv vergangener Veranstaltungen und Treffen

Internationale Tagung "Computer Applications and Quantitative Methods in Archaeology" in Berlin

Die AG CAA hat 2007 aus organisatorischen Gründen weder im Rahmen der Tagungen der Altertumsverbände, noch im Rahmen der Tagung der Gesellschaft für Klassifikation getagt. Statt dessen hat sie die Jahrestagung der internationalen CAA in Berlin mit organisiert und dort auch ihre Mitgliederversammllung durchführt. Bei der dort durchgeführten Sprecherwahl wurden die bisherigen Sprecher (I. Herzog, T. Kerig, A. Posluschny) bestätigt, während der Jahreshauptversammlung (Annual General Meeting) der internationalen CAA am 6.4.07 wurde neben der nordamerikanischen CAA (USA und Kanada) auch die deutsche CAA endgültig als nationaler Zweig der internationalen CAA bestätigt.

Die Publikation des von der AG-CAA mit herausgegebenen Tagungsbandes befindet sich derzeit in Arbeit, mit der Fertigstellung und Auslieferung wird im Spätsommer/Herbst 2008 gerechnet.
Der Band erscheint unter dem Titel:

A. Posluschny/K. Lambers/I. Herzog (eds.), Layers of Perception. Proceedings of the 35th International Conference on Computer Applications and Quantitative Methods in Archaeology (CAA), Berlin, April 2–6, 2007. Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte Vol. 10 (Bonn 2008).

beim Habelt-Verlag (Bonn) und kann auch über diesen bezogen werden.
Zusätzlich werden die Beiträge auch als PDF im Internet verfügbar sein, wir werden den link zu gegebener Zeit hier veröffentlichen.


GfKl Tagung 2006 in Berlin


Verbandstagung Xanten 2006
Karsten Lambers: GIS-basierte archäologische Analyse der vorspanischen Bodenzeichnungen von Nasca und Palpa in der Wüste Südperus
Die Geoglyphen von Nasca (400 v. Chr. - 800 n. Chr.) sind weltbekannt, aber schwierig zu deuten. Dies liegt auch an der heutigen Wahrnehmung der Linien und Figuren: aus der Luft scheinen sie ohne jeden Kontext in der menschenleeren Wüste zu liegen. Zur Zeit ihrer Entstehung konnten die Bodenzeichnungen jedoch nur vom Boden aus betrachtet werden und waren Teil eines komplexen kulturellen Umfeldes.
Zur Untersuchung dieser Fragen wurden seit 1997 die Geoglyphen von Palpa im nördlichen Teil des Nasca-Beckens vom Deutschen Archäologischen Institut und der ETH Zürich photogrammetrisch kartiert und archäologisch dokumentiert. Dies geschah im Rahmen einer umfassenden Untersuchung der vorspanischen Kultur- und Landschaftsentwicklung im Palpa-Tal. Auf den Geoglyphen wurden erstmals systematisch Zeugnisse kultureller Aktivitäten dokumentiert: u.a. Spuren wiederholter Begehungen, Niederlegungen von Keramikgefässen auf Geoglyphenrändern und von Feldfrüchten und Spondylusmuscheln auf Steinplattformen. Diese Befunde stehen im Zusammenhang eines Wasser- und Fruchtbarkeitskultes, wie er aus andinen Traditionen bekannt ist und in einem zunehmend ariden Umfeld plausibel erscheint. Gleichzeitig kam den Geoglyphen eine soziale Bedeutung zu: bestimmte Komplexe von Bodenzeichnungen waren offenbar mit gesellschaftlichen Gruppen assoziiert, die dort immer wieder Geoglyphen veränderten, neue anlegten und Rituale auf ihnen durchführten.
Eine GIS-basierte Sichtbarkeitsuntersuchung wirft nun neues Licht auf die soziale Dimension der Geoglyphen. Entgegen weit verbreiteter Auffassung wurden diese oft in gut einsehbarem Gelände angelegt. Sie konnten den sozialen Gruppen somit als Bühne zur Definition ihres sozialen Status dienen und spielten eine wichtige gesellschaftliche Rolle in der Nasca-Kultur.
Im Vortrag werden Ziele, Methoden und Ergebnisse der GIS-basierten Sichtbarkeitsanalysen vorgestellt.
 
Dr. Karsten Lambers
Deutsches Archaeologisches Institut (DAI)
Kommission für Archäologie Aussereuropäischer Kulturen (KAAK)
Endenicher Str. 41
53115 Bonn
E-Mail: lambers.kaak©gmx.de
 
 
Claudia Pankau: Geofaktorenanalysen und Besiedlungsdynamik auf der östlichen Schwäbischen Alb
Als Geofaktorenanalyse wird die Untersuchung des Verhältnisses archäologischer Fundstellen zu ausgewählten Merkmalen des Naturraumes, wie z.B. Bodentyp, Höhenlage, Hangneigung oder Niederschlagszone, bezeichnet. Sie dient dazu festzustellen, ob die Fundstellen einer bestimmten Periode und/oder Fundstellenart regelhaft in speziellen Landschaftspositionen liegen. Ist dies der Fall, lassen sich Schlussfolgerungen ziehen in Hinblick auf die wirtschaftlichen Grundlagen und andere Aspekte der untersuchten Perioden. In diachroner Sichtweise lassen sich hinsichtlich des Naturraumbezugs meistens Unterschiede zwischen den Perioden herausarbeiten, welche mit besiedlungsdynamischen Prozessen einhergehen. Die Existenz von deutlichen Lageunterschieden zwischen einzelnen Perioden oder Fundstellenarten kann zudem als Argumentationshilfe bei der Datierung und der funktionalen Ansprache von Fundstellen herangezogen werden, deren spärliches Fundmaterial sonst nur vage Aussagen zulässt.
Am Beispiel der neolithischen bis latènezeitlichen Fundstellen auf der östlichen Schwäbischen Alb werden einige methodische Fragen (Aussagekraft des Chi-Quadrat-Tests bei Naturraumdaten, Gewichtung der Geofaktoren) sowie die Ergebnisse ausgewählter Geofaktorenanalysen vorgestellt. Insbesondere die Frage der Wasserversorgung ist in der Karstlandschaft der Alb von besonderem Interesse und offensichtlich im Laufe der Zeit unterschiedlich gelöst worden. Die sich daraus ergebenden besiedlungsdynamischen Prozesse – wie z.B. die hallstattzeitliche Aufsiedlung der hohen Alb – dürften in einen engen Zusammenhang mit der Entwicklung des Klimas zu stellen sein.
 
Dr. des. Claudia Pankau
Dreibrunnenweg 1
70565 Stuttgart
E-Mail: pankau2©zedat.fu-berlin.de
 
Ulla Münch: Archäoprognose - Ein Verfahren zur Einschätzung des archäologischen Potenzials in Entwicklungsräumen mit Beispielen aus Brandenburg und Nordrhein-Westfalen im Vergleich
Predictive Modells werden bereits seit vielen Jahren international eingesetzt und erlangen zunehmende Bedeutung auch für die praktische Bodendenkmalpflege in Deutschland. Die bisherigen Kenntnisse bezüglich des im Boden verborgenen archäologischen Bestandes stellen sich, besonders im Rahmen von Großprojekten, fast immer als sehr unvollständig heraus und erschweren damit die Planung archäologischer Maßnahmen. Archäoprognosekarten liefern Informationen über das archäologische Potenzial eines Raumes und stellen damit ein wertvolles Planungsinstrument für die Bodendenkmalpflege dar.
Grundlage dieser Kartierungen ist eine umfangreiche archäologische und landschaftsbezogene Datensammlung in einem geographischen Informationssystem. Auf Basis verschiedener statistischer Methoden können archäologische Verdachtsflächenkarten erstellt werden. An Hand von Beispielen aus Nordrhein-Westfalen und dem Land Brandenburg erläutert diese Präsentation eine dieser leistungsfähigen statistischen Ansätze. Die Interpretationsmöglichkeiten für die archäologische Forschung, mögliche einschränkende Faktoren sowie ihr Einsatz in der Bodendenkmalpflege werden diskutiert.
 
Dr. des. Ulla Münch
Landschaftsverband Rheinland
Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
Ehrenstr. 14-16
52445 Titz
E-Mail: ulla.muench©lvr.de
 
 
Karl Peter Wendt/Andreas Zimmermann: Siedlungsgunst und Landschaftsnutzung im diachronen Vergleich
Die Rechenverfahren der „Site Catchment” Analyse und des „Predictive Modelling“ werden von Archäologen verwendet, um den Mensch-Umweltbezug besser zu verstehen und so auch den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Standortwahl prähistorischer Siedlungen zu fassen. In beiden Verfahren ist es üblich, mit kleinskaligen Karten (1:25.000) und kleinen Umfeldern der Fundstellen zu arbeiten. Die Idee ist, dass genaue Karten und die Betrachtung der nächsten Umgebung die besten Ergebnisse erbringen.
Im Rahmen des archäologischen Rhein-LUCIFS Projektes, das auf den deutschen Teil des Rheineinzugsgebietes zielt, wird ein anderer Analyseansatz genutzt. Hier werden Karten herangezogen, die Deutschland in seiner Gesamtheit abdecken. Die Bodenübersichtskarte von Deutschland (BÜK 1000, M.:1:1 Million) wird mit der geographische Verteilung von sog. Siedlungsgebieten verschnitten, die durch die „optimale Isolinie“ der Fundstellendichte dargestellt wird. Mit aus dem Umfeld des Chi-Quadrat Tests abgeleiteter Rechentechnik (Erwartungswert usw.) werden bevorzugte und gemiedene Bodenkategorien ausgewiesen und für verschiedene Zeitscheiben untersucht. Die bisher analysierten Zeithorizonte zeigen, dass mit diesem Vorgehen z.T. erstaunlich präzise Aussagen zum Bodenbezug agrarischer Gesellschaften möglich sind. Dass dies auch mit einem derart großskaligen Ansatz möglich ist, liegt vielleicht an den archäologischen Problemen, die Lage von früheren, landwirtschaftlich genutzten Flächen zu bestimmen. Zur Messung der Effizienz“ ist aus dem Analyse Feld des „Predictive Modelling“ eine Darstellungsweise entliehen worden. Diese Effizienz kann z.T. durch weitere Variablen, z.B. die heutige jährliche Niederschlagsmenge noch verbessert werden, andere Variablen tragen dagegen weniger zur Aussagekraft bei. Als Ergebnis werden großräumige Karten erarbeitet, die regional differenziert hohes oder geringes archäologisches Potential ausweisen und eine gute Ausgangsbasis für vergleichende Studien eröffnen.
 
Dr. Karl Peter Wendt, Dr. Andreas Zimmermann
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Universität zu Köln
Weyertal 125
50923 Köln
E-Mail: KP.Wendt©t-online.de, a.zimmermann©uni-koeln.de
 
Axel Posluschny: Zwischen Landschaftsarchäologie und Sozialarchäologie. Besiedlungsmuster als Analysegrundlage der früheisenzeitlichen "Fürstensitze" in Mitteleuropa
Das Teil-Projekt „Fürstensitze“ & Umland widmet sich innerhalb des DFG-Schwerpunktprogramms "Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse - Zur Genese und Entwicklung frühkeltischer Fürstensitze und ihres territorialen Umlande" (SPP1171) in einem landschaftsarchäologischen Ansatz den Siedlungen in ausgewählten Projektregionen und ihrem Naturraumbezug. Ausgehend von zunächst drei Regionen (ca. 50 x 50 km im Umfeld um die „Fürstensitze“ Heuneburg, Marienberg/Würzburg und Glauberg) wird mit Hilfe Geographischer Informationssysteme (GIS) der Bezug der Fundstellen zur umgebenden Landschaft als Natur- und Kulturraum analysiert. Dieser Umweltbezug dient einerseits der Differenzierung unterschiedlicher Siedlungstypen bezüglich ihrer wirtschaftlichen (und kulturellen?) Ausrichtung; andererseits wird er diachron (Urnenfelder-, Hallstatt- & Frühlatènezeit) und regional verglichen und kann so Entwicklungen und regionale Tendenzen aufzeigen. Weiter schließen sich Untersuchungen zu möglichen Territorien und Verkehrswegen sowie Detailanalysen spezieller Fragen zu ausgewählten Problemen wie z.B. Sichtbarkeitsanalysen zwischen markanten Landschaftspunkten oder verschiedenen Fundstellen an. Die Untersuchungen werden mit den Regionen nahezu aller im SPP vertretenen Regionalprojekte sowie zusätzlich weiteren Vergleichsregionen (Ehrenbürg [Oberfranken], die „Herrenhof“-Region um Straubing, Westböhmen mit der Region um den Vladař und/oder Zentralböhmen mit dem „Fürstensitz“ Závist) und ihrem Umfeld fortgesetzt.
 
Dr. Axel Posluschny
Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts
– DFG-Projekt “Fürstensitze” & Umland –
Palmengartenstr. 10–12
60325 Frankfurt/M.
E-Mail: posluschny©rgk.dainst.de
 
 
Ulrich Himmelmann: Neues von PGIS – Denkmaldatenbank mit GIS-Anbindung in Rheinland-Pfalz und Hessen
Dr. Ulrich Himmelmann
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz
Archäologische Denkmalpflege
Kleine Pfaffengasse 10
67346 Speyer
E-Mail: uh
©archaeologie-speyer.de
 
Irmela Herzog: GIS-Verfahren zur Auswertung von Verbreitungskarten
Es gibt verschiedene Modelle für die Besiedlungsstruktur einer Landschaft, und alle sind richtig: Für jedes Modell lässt sich eine Epoche und eine Landschaft finden, bei der das Siedlungsmuster ungefähr diesem Modell entspricht. Eine wichtige Aufgabe in der Archäologie ist die Suche nach den Einflussfaktoren, die das Siedlungsmuster in einer prähistorischen Epoche bestimmen. Dazu gehört die Rekonstruktion des Siedlungsverhaltens bis hin zur Schätzung der Bevölkerungszahl. In den letzten Jahren werden hierzu meist geographische Informationssysteme (kurz GIS) eingesetzt.
Anhand von Simulationsexperimenten sollen in diesem Vortrag folgende Fragen untersucht werden: Mit welcher Genauigkeit lässt sich die Besiedlungsstruktur anhand einer Stichprobe rekonstruieren? Welche Wiederauffindungsrate ist nötig? Oder alternativ: Wie groß muss ein vollständig untersuchtes Teilgebiet sein, um die Siedlungsstruktur des gesamten zugehörigen Naturraums möglichst genau beschreiben zu können? Treten bei der Anwendung der GIS-Verfahren unerwünschte Randeffekte auf? Ist es möglich, die Siedlungsstruktur zu rekonstruieren, wenn nur ungenaue Datierungen der bekannten Siedlungen vorliegen? Kurz: Wo sind die Möglichkeiten und Grenzen von GIS-Verfahren, um Besiedlungsmuster vergangener Epochen zu beschreiben und zu analysieren?
 
Dipl. math. Irmela Herzog
Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
Endenicher Str. 133
53115 Bonn
E-Mail: irmela.herzog©lvr.de
 
 
Stefan Loew: Unordnung und frühes Leid – Strukturen im Chaos eines spätpaläolithischen Siedlungsplatzes
Der Federmesser-Fundplatz Rüsselsheim 122 wurde 1989/90 in einer Notgrabung von Lutz Fiedler (Landesamt f. Denkmalpflege Hessen) ausgegraben. Der spätglaziale Siedlungsplatz lädt zu detaillierten Untersuchungen der Siedlungsstruktur ein: Die Vielfalt der für die Artefaktherstellung verwendeten Rohmaterialien lässt differenzierte räumliche Vergleiche der Fundverteilungen zu. Dieser Umstand und die Dokumentation des Fundplatzes in Einsechzehntel-Quadraten bieten eine gute Ausgangslage für eine Siedlungsanalyse mit Hilfe statistischer Verfahren.
Die Siedlungsanalyse konzentrierte sich auf die Suche nach Behausungsstrukturen. Ausgangshypothese der Untersuchung ist die Existenz des sog. "Barriereeffekts", der bewirkt, dass Zelt- oder Hüttenwände sich in Artefaktverteilungen durchpausen, indem sie deren räumliche Verteilung begrenzen. Weiterhin wurde davon ausgegangen, dass bestimmte Fundkategorien aufgrund ihrer spezifischen Rolle im Siedlungsalltag den Innenraum einer Behausung eher nachzuzeichnen vermögen als andere. Sie müssten sich durch eine außerordentliche Ähnlichkeit in der Fundverteilung zu erkennen geben.
Um Fundverteilungen großer Ähnlichkeit erkennen zu können, wurden die Häufigkeiten der einzelnen Fundkategorien pro Sechzehntelquadrat in Korrespondenzanalysen miteinander verglichen. Die in Korrespondenzanalysen verwendete Chi-Quadrat-Statistik nimmt einen gewichteten Vergleich der Mengenverteilungen in den Fundquadraten vor.  Damit wird ein objektiver Ähnlichkeitsvergleich zwischen Fundkategorien ermöglicht und eine Einschränkung der Originaldaten durch Behausungsmodelle vermieden. 
Die Korrespondenzanalyse der Variable "Abbauprodukte" zeigte Cluster einander ähnelnder Fundkategorien in beiden Siedlungsbefunden des Fundplatzes. Die Fundmengen dieser Kategorien wurden aufaddiert und mit Hilfe des Interpolationsverfahrens Kriging kartiert.
Das Ergebnis zeigt in  beiden Befunden jeweils eine Artefaktverteilung rechteckigen Umrisses mit symmetrisch gelegener Öffnung im Süden. Es könnte sich um Zeltgrundrisse handeln.
 
Stefan Loew
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Universität Köln
Weyertal 125
50923 Köln
E-Mail:
sloew©smail.uni-koeln.de
 
 
Knut Rassmann: Formenkundlich-morphologische und chemische Daten frühbronzezeitlicher Stabdolche im Vergleich. Die Anwendungen quantitativer Methoden (Hauptkomponenten-, Korrespondenz- und Clusteranalyse) zur Bewertung von Verbindungen zwischen europäischen Stabdolchprovinzen
Die frühbronzezeitlichen Stabdolche weisen eine weite geographische Verbreitung auf, die von der iberischen Halbinsel bis nach Südskandinavien reicht. Damit eignet sich diese Artefaktgruppe ausgezeichnet für die Analyse überregionaler Verbindungen am Beginn der Bronzezeit. Der gute Publikationsstand in den Fundvorlagen der „Prähistorische Bronzefunde” bietet hierfür eine exzellente Voraussetzung. Jedoch erschweren die verschiedenen regionalen, typologischen Ordnungen den weiträumigen Vergleich. Die Anwendung von quantitativen Methoden (Hauptkomponenten-, Korrespondenz- und Clusteranalyse) ermöglicht einen „klassifikationsneutralen“ Zugang für die Untersuchung. Durch die Auswertung von chemischen Analysen erfolgt eine Überprüfung der durch die morphologischen Merkmale erarbeiteten Zusammenhänge.
 
Dr. Knut Rassmann
Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts
Palmengartenstr. 10–12
60325 Frankfurt/M.
E-Mail: rassmann©rgk.dainst.de
 
 
Markus Helfert: Die Anzahl machts. Geochemische Referenzgruppen und die Herkunftsbestimmung von Einzelproben am Beispiel der Töpfereien von Groß-Gerau
Durch die 1998 bis 2001 durchgeführten Ausgrabungen und  Baustellenbeobachtungen im Bereich des römischen vicus von Groß-Gerau „Auf Esch“ (Hessen) konnten drei Töpfereien innerhalb des Siedlungsareals festgestellt werden. Die drei Werkstätten produzierten in flavisch-trajanischer Zeit die herkömmliche Fein- und Grobkeramik und wurden mit dem Abzug des in Groß-Gerau stationierten Militärs um 120 n. Chr. aufgegeben.
Neben der Auswertung der Baubefunde galt ein Schwerpunkt der Untersuchungen den geochemischen Analysen in Groß-Gerau hergestellter sowie dorthin importierter  Gebrauchskeramik. Mit der Erstellung der Groß-Gerauer Referenzgruppe konnte das bereits vorhandene Netz von Röntgenfluoreszenzdaten zu Töpfereien im Rhein-Main-Gebiet erweitert werden. Durch die hohe Probenanzahl von Erzeugnissen aus Groß-Gerau gelangen detaillierte Aussagen zu technologischen Aspekten, wie etwa zur Tonschlämmung und zu den Magerungsrezepturen. So war nachweisbar, dass für die Fein- und Grobkeramik durch Zusatz von Kalk oder Sand zwei unterschiedliche Rezepturen Anwendung fanden. Weiterhin war es möglich, die Waren aus den Töpfereien I und II geochemisch zu differenzieren. Die Analyseergebnisse zeigen in Verbindung mit den Produktionsphasen der Betriebe, dass die Werkstätten verschiedene Tonlagerstätten verwendeten. Auf dieser Grundlage eröffnet sich für Groß-Gerau und eventuell auch für andere Fundplätze eine neue wirtschaftsarchäologische Dimension. Bei zukünftigen geochemischen Untersuchungen können durch genaue Betrachtungen  der Referenzgruppen Einzelproben nicht nur einem Produktionsort, sondern auch einzelnen Töpfereien zugeordnet werden. Somit kann mit der Untersuchung von Gebrauchkeramik nicht nur ein Beitrag zur Größe des Absatzgebiets geleistet werden, sondern auch zur Absatzstruktur verschiedener Töpfereien inner- und außerhalb der produzierenden Siedlung. Diese Möglichkeiten sollen an mehreren Beispielen bereits vorhandener Referenzgruppen aus den römischen Provinzen Ober- und Untergermanien aufgezeigt und vorgestellt werden.
 
Dr. des. Markus Helfert
Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts
Palmengartenstr. 10–12
60325 Frankfurt/M.
E-Mail: helfert©rgk.dainst.de
 
 
Burkart Ullrich: IP-Geoelektrik in Munigua zur Erkundung der Schlackenhalden am Castillo de Mulva
Die römische Stadt Munigua, ortsüblicher Name „Castillo de Mulva“, liegt in der Sierra Morena etwa 50 km nordöstlich von Sevilla. Die archäologischen Ausgrabungen begannen im Jahre 1956 durch die Abteilung Madrid des DAI. Aktuelle Forschungen zur Wirtschaftsgrundlage der Stadt, deren Entwicklung eng mit dem Abbau von Kupfer- und Eisenerzen im Umland verknüpft war, nutzen dabei auch Erkenntnisse, die mit zerstörungsfreien geophysikalischen Methoden gewonnen werden. Im Untergrund vorhandene Spuren von Bergbau und Metallverarbeitung, wie Öfen, Verhüttungsplätze und Schlacken lassen sich meist sehr gut anhand der verschiedenen petrophysikalischen Parameter näher beschreiben. Erste Testmessungen mit der Methode der Induzierten Polarisation im Jahr 2003 zeigten für die Schlackenhalden in Munigua einen starken IP-Effekt, der eine eindeutige Abgrenzung der Halde erlaubt. Daraufhin wurde im Jahr 2005 eine größere Messkampagne zur näheren Untersuchung von vier, im unmittelbaren Stadtgebiet liegenden Schlackenhalden durchgeführt. Mit Hilfe von geoelektrischen Vertikalschnitten konnte dabei die Mächtigkeit der Schlackenhalden zerstörungsfrei bestimmt werden. An einer Halde wurde das Verfahren der Geoelektrischen Tomografie eingesetzt, um 3D-Datensätze geoelektrischer Parameter zu gewinnen, auf deren Grundlage die Berechnung des Volumens der Schlackenablagerungen möglich wurde und damit eine Abschätzung des in Munigua verhütteten Erzes.
 
Burkart Ullrich
Eastern Atlas – Geophysical Prospection
Große Hamburger Str. 17
10115 Berlin
E-Mail: ullrich©eastern-atlas.com


5. Deutsche Archäologenkongress, Sitzung der AG CAA am 4. April 2005 in Frankfurt/Oder.